Spannungen innerhalb der AfD über das Verhältnis zu Russland
Spannungen innerhalb der AfD über das Verhältnis zu Russland
Die Debatte über den Kurs gegenüber Russland spaltet die AfD. Zwischen Spionagevorwürfen, umstrittenen Reisen nach Moskau und einem deutlichen Zerwürfnis zwischen Alice Weidel und Tino Chrupalla erlebt die rechtspopulistische Partei eine tiefgreifende interne Krise. Diese Uneinigkeiten über die AfD–Russland-Beziehungen werfen grundlegende Fragen zu ihrer politischen Ausrichtung und zu möglichen internationalen Partnerschaften auf.
Spionageverdacht: AfD-Mitglieder wegen Russlandnähe in der Kritik

Der Verdacht, einzelne AfD-Mitglieder könnten in russische Einflussaktivitäten verwickelt sein, schürt erneut die Sorge um die Nähe der Partei zum Kreml. Seit Monaten reisen mehrere Abgeordnete regelmäßig nach Moskau oder – besonders provokativ – in die von Russland annektierten ukrainischen Gebiete, wo sie von hochrangigen Politikern empfangen werden. Während dieser Aufenthalte geben einige von ihnen ausführliche Interviews in russischen Propagandasendungen und sprechen dort von einer angeblichen “Meinungsdiktatur“ in Deutschland, während sie Russland als funktionierende “Demokratie“ darstellen.
Zurück in Berlin verschärfen diese Abgeordneten ihr pro-russisches Auftreten, sei es durch Redebeiträge, parlamentarische Initiativen oder politische Vorstöße, die russische Interessen widerspiegeln. Für zusätzliche Irritationen sorgen ihre Mitarbeiter, deren Lebensläufe teilweise offen frühere Tätigkeiten und eine deutliche ideologische Nähe zu russischen Nationalisten erkennen lassen.
In den jüngsten Enthüllungen geraten besonders zwei AfD-Spitzenpolitiker in den Fokus: Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD bei der Europawahl, und Petr Bystron, seine Nummer zwei. Beide stehen im Zentrum intensiver medialer und politischer Untersuchungen über ihre möglichen Verbindungen zu russischen Akteuren. Obwohl bislang keine juristischen Schlussfolgerungen vorliegen, befeuern diese Hinweise eine heftige Debatte über das Verhältnis der AfD zu Russland und über mögliche Risiken ausländischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen.
Führungsstreit: Uneinigkeit über den Umgang mit Russland
Ein offener Machtkampf in der AfD-Spitze verdeutlicht die tiefen Risse in der Partei. Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD, kritisierte Pläne mehrerer Abgeordneter, nach Russland – insbesondere nach Sotschi – zu reisen. “Ich verstehe nicht, was wir dort sollen“, erklärte sie vor Journalistinnen und Journalisten. Zudem untersagte sie jegliche Treffen mit Dmitri Medwedew, der für seine antiwestliche Rhetorik und nuklearen Drohgebärden bekannt ist.
Ganz anders positioniert sich Tino Chrupalla, ebenfalls Co-Vorsitzender der Partei. Er verteidigt einen betont russlandfreundlichen Kurs. In einem Interview sagte er über Wladimir Putin: “Mir hat er nichts getan“ und betonte, von Russland gehe “derzeit keine Gefahr für Deutschland“ aus. Die Reisen von AfD-Politikern nach Russland rechtfertigte er als Versuch, “offene Gesprächskanäle“ zu erhalten unter anderem im Rahmen eines BRICS-Treffens.
Diese Spaltung fällt in eine Zeit, in der Kritiker die AfD zunehmend als mögliches “Trojanisches Pferd des Kreml“ bezeichnen. Hermann Binkert, Leiter des Insa-Instituts, warnt, eine allzu kremlfreundliche Linie könne der AfD im Inland schaden und zugleich den Abstand zu anderen europäischen Rechtsparteien vergrößern, die eher vom MAGA-Kurs aus den USA inspiriert sind als von Putins Kriegspolitik.
Auch sicherheitspolitisch wächst die Kritik. Marc Henrichmann, Vorsitzender des parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, sieht in der AfD-Haltung zu Russland erhebliche Gefahren, insbesondere angesichts ihrer Distanz zur NATO. Ein Insa-Umfragewert, den das Handelsblatt berichtete, zeigt zudem: Über 44 Prozent der AfD-Anhänger befürchten, Russland könne in absehbarer Zeit einen militärischen Angriff auf Deutschland starten – ein Hinweis auf tiefe Verunsicherung innerhalb der eigenen Wählerschaft.
Schlussfolgerung
Die zunehmenden Spannungen rund um das Verhältnis AfD–Russland verdeutlichen nicht nur das Risiko externer Einflussnahme, sondern auch eine schwerwiegende innere Zerreißprobe. Entscheidend bleibt die Frage: Wie lange kann die AfD zwischen Russlandnähe und politischem Machtanspruch balancieren, ohne ihre Glaubwürdigkeit in Deutschland aufs Spiel zu setzen?